Immobilien vergleichen: Worauf es beim Vergleich mehrerer Objekte ankommt
Wer mehrere Wohnungen oder Häuser in der engeren Wahl hat, vergleicht schnell Preis und Fläche. Ein fairer Vergleich braucht aber mehr Dimensionen – und nicht jeder Unterschied ist auf den ersten Blick sichtbar.
Preis und Fläche
- Kaufpreis
Der Ausgangspunkt, für sich allein aber wenig aussagekräftig. Ob etwa ein Parkplatz, ein Keller oder Nebenräume im Preis enthalten sind, unterscheidet sich von Angebot zu Angebot.
- Preis pro m²
Nur vergleichbar, wenn die zugrunde liegende Fläche gleich definiert ist. Verkaufsdokumentationen verwenden nicht immer dieselbe Flächenangabe.
- Wohnfläche
Welche Fläche angegeben ist und wie sie gemessen wurde – etwa mit oder ohne Wände, Balkone oder Dachschrägen.
- Nebenflächen
Balkon, Terrasse, Keller, Estrich oder Gartenanteil. Bei Stockwerkeigentum sind sie je nach Begründungsakt und Reglement unterschiedlich ausgestaltet – etwa als Teil der Einheit, als eigene Einheit bzw. Miteigentumsanteil oder als ausschliessliches Nutzungsrecht. Ein Gartenanteil etwa kann nicht zu Sonderrecht gehören; mehr dazu unter Wie funktioniert Stockwerkeigentum?
- Grundstückbei Häusern
Grösse und Nutzbarkeit des Grundstücks sowie allfällige im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeiten.
Gebäude und Zustand
- Baujahr
Ein Anhaltspunkt für Bauweise und mögliche Sanierungsthemen – sagt für sich allein aber nichts darüber, was bereits erneuert wurde. Mehr zu den amtlichen Angaben unter GWR und Gebäudedaten.
- Zustand
Der sichtbare Zustand bei der Besichtigung und die Angaben in der Dokumentation.
- Dokumentierte Renovationen
Was wann erneuert wurde – und was dazu belegt ist.
- Absehbare Investitionen
Arbeiten, die in den nächsten Jahren anstehen dürften – in der Wohnung selbst oder an gemeinschaftlichen Teilen.
Stockwerkeigentum
- Nebenkosten und STWE-Beiträge
Die laufenden Beiträge an die Gemeinschaft gemäss Budget und Jahresrechnung.
- Wertquote
Gesetzlicher Grundsatz für die Verteilung gemeinschaftlicher Kosten (Art. 712h Abs. 1 ZGB), sofern das Reglement keinen anderen Verteiler vorsieht – siehe Die Wertquote.
- Erneuerungsfonds
Im Verhältnis zu Gebäudealter und anstehenden Arbeiten betrachten, nicht nur als Kontostand – siehe Erneuerungsfonds.
- Geplante Sanierungen
Beschlossene oder diskutierte Arbeiten laut Protokollen – und wie sie finanziert werden sollen.
Lage und Ausstattung
- Lage
Erreichbarkeit, öffentlicher Verkehr, Lärm, Besonnung und Umgebung – teils mit amtlichen Daten zum Standort einzuordnen.
- Parkplatz
Ob ein Parkplatz inbegriffen ist, separat gekauft oder gemietet werden muss oder nicht verfügbar ist.
Finanzierung und Belastung
- Kaufnebenkosten
Je nach Kanton unterschiedlich – bei Objekten in verschiedenen Kantonen besonders relevant. Siehe Nebenkosten beim Wohnungskauf.
- Finanzierung
Benötigte Eigenmittel und Tragbarkeit hängen vom Kaufpreis, vom Belehnungswert, den die Bank für das Objekt ansetzt, und von ihren internen Regeln ab. Liegt der Kaufpreis über dem Belehnungswert, ist die Differenz nach den Richtlinien der Bankiervereinigung mit Eigenmitteln zu finanzieren, die nicht aus der 2. Säule stammen – zwei Objekte zum gleichen Preis können deshalb unterschiedlich viel Eigenkapital erfordern.
- Monatliche Belastung
Hypothekarzins, Amortisation, Nebenkosten bzw. STWE-Beiträge und Rückstellungen für Unterhalt zusammen betrachtet.
Objekte vergleichbar machen
Gleiche Grundlage schaffen
Flächen, Preisbestandteile wie Parkplatz oder Keller und Kostenangaben auf dieselbe Basis bringen.
Einmalige Kosten zusammenzählen
Kaufpreis, Kaufnebenkosten und absehbare Investitionen gemeinsam betrachten.
Laufende Kosten gegenüberstellen
Die monatliche Belastung inklusive Nebenkosten bzw. STWE-Beiträgen vergleichen.
Offene Punkte festhalten
Fehlende Angaben pro Objekt notieren. Ein fehlender Wert ist weder eine gute noch eine schlechte Nachricht, sondern eine offene Frage.
Nach eigenen Prioritäten gewichten
Lage, Grösse, Zustand und Budget je nach eigener Situation gewichten.
Praxisbeispiel (fiktiv)
Zwei Wohnungen, kein automatischer Gewinner
- Wohnung A
- Tieferer Kaufpreis. In den Protokollen ist eine Fassadensanierung beschlossen; der Erneuerungsfonds deckt voraussichtlich nur einen Teil, Sonderbeiträge werden diskutiert.
- Wohnung B
- Höherer Kaufpreis. Dach und Heizung wurden vor wenigen Jahren erneuert, die Arbeiten sind dokumentiert. Die laufenden Beiträge an die Gemeinschaft sind höher.
Welche Wohnung insgesamt günstiger ist, lässt sich erst sagen, wenn Kaufpreis, absehbare Sonderbeiträge, laufende Kosten und die eigenen Prioritäten zusammen betrachtet werden. Ein tieferer Kaufpreis ist nicht automatisch das bessere Angebot – und ein höherer nicht automatisch das schlechtere.
PRUVO
Du prüfst gerade eine Immobilie?
PRUVO unterstützt dich – je nachdem, welche Informationen dir bereits vorliegen.
Mehrere Objekte in Frage
Erfasse die Objekte mit deinen Angaben und sieh Kosten und Kennzahlen nebeneinander.
Objekte vergleichenObjektvergleich · Kostenlos mit PRUVO-Konto (Anmeldung nötig)
Verkaufsunterlagen vorhanden
Lass Verkaufs- und STWE-Unterlagen strukturiert einordnen.
Kaufunterlagen prüfenKaufunterlagen-Check · Vorschau ohne Zahlung · vollständige Prüfung CHF 30.– einmalig
Passend zu diesem Thema
- KaufenWohnung kaufen: Checkliste vom Budget bis zur ÜbergabeDer Ablauf in der richtigen Reihenfolge – welche Entscheidungen wann anstehen, von der Finanzierung bis zum Kaufvertrag.
- KaufenNebenkosten beim Wohnungskauf in der SchweizNotariat, Grundbuch, Handänderungssteuer und Schuldbrief – und warum die Kosten je nach Kanton stark variieren.
- StockwerkeigentumErneuerungsfonds beim StockwerkeigentumWofür der Fonds da ist – und weshalb der Kontostand allein wenig über seine Angemessenheit aussagt.
- Amtliche DatenGWR, EGID und Gebäudegrundfläche: amtliche Gebäudedaten verstehenWas das Gebäude- und Wohnungsregister zeigt – und weshalb eine Gebäudefläche keine Wohnfläche ist.